Objekt:

 Rollsiegel, Halbopal, 32,7 x 13,4 mm.

Datierung:

 Neuassyrische Zeit (Ende 8. Jh.).

Herkunft:

 Assyrien.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VR 1981.108.

Darstellung:

 Tierkampf, dreifigurig, axialsymmetrisch komponiert: Ein nach rechts gewandter bärtiger Held im langen Fransenschlitzrock und kreuzschraffierten Hemd hält im Herr-der-Tiere-Schema je einen aufgebäumten, geflügelten, bartlosen Sphinx an der Vorderpranke; achtstrahliger Stern über Fibel als Szenentrenner; Randleiste.

Diskussion:

 Der Nackenknoten der Sphingen ist typisch für babylonische Arbeiten – auf assyrischen Siegeln kommt er nur bei bartlosen Sphingen vor. Das Hemd mit diagonaler Gitterung ist typisch für die Zeit Sargons, s. Keel-Leu/Teissier 2004: Nr. 221 und alle dort erwähnten Parallelen [Text aus B+O im Original: Kerubim sind Mischwesen mit Menschenkopf, Löwenkörper und großen Flügeln. Sie galten als äußerst gefährlich und waren daher furchterregend. Wer sie – wie der Held auf dem assyrischen Rollsiegel – bändigen und in seine Dienste stellen konnte, musste ein noch mächtigeres Wesen sein. Könige ließen deshalb sich und ihr Reich, das als Baum symbolisiert werden konnte, gerne als von Keruben bewacht darstellen (vgl. 1Kön 6,29). Nach biblischer Vorstellung wurden auch der Garten Eden mit dem Lebensbaum in seiner Mitte durch Kerubim bewacht (Gen 3,24). Im Allerheiligsten des Tempels von Jerusalem stand ein leerer Kerubenthron, für den nicht darstellbaren Gott JHWH (vgl. Keel et al. 2007: Nr. 34). Er trug unter anderem den Titel «Kerubenthronender» (Ps 99,1). Über den Kerubim erwartete man in Jersusalem mit seinem uralten Sonnenkulttraditionen (vgl. Keel et al. 2007: Nr. 32, 42) das Erscheinen Gottes, in Gestalt der Sonne, für die solch leere Throne gedacht werden. In diesem Sinne ist wohl auch das Gebet um Hilfe in Ps 80,2-4 zu verstehen: «Der du auf den Kerubim thronst, erscheine!...Lass dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen!» Thomas Staubli] .

Parallelen:

Porada 1948: Nr. 758; Herbordt 1992: 93, Taf. 7:8: ältester Beleg - Assur, 769a; Herbordt 1992: Taf. 8:8: jüngster Beleg - nach 648a.

Bibliographie:

Keel-Leu/Teissier 2004: 205, Nr. 222; Keel et al. 2007: 55, Nr. 35.

DatensatzID:

512

Permanenter Link:

  https://bodo.unifr.ch/bodo/id/512