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Objekt: Pfeilerfigur, Ton, 16,9 x 4,6 cm.
Datierung: FB IV/MB I (Ende 3. Jt.) (Stildatierung).
Herkunft: Euphrattal, aus dem Handel.
Sammlung: Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 1996.2.
Darstellung: Während in Südwest-Anatolien im ganzen 3. Jt. v. Chr. weibliche Idole in abstrakt-schematischen Varianten (sog. Kusura-Typ sowie Çaykenar-Typ; vgl. Höckmann 1976: 184f, 377-383, 557-560) verbreitet waren, treten in Nordsyrien, vor allem am mittleren Euphrat, nach einer langen Unterbrechung der gesamten Produktion nackter Frauenfigürchen ( Schroer/Keel 2005: Nr. 100, 101, 102, 103) erst gegen Ende des 3. Jt. v. Chr. in größerer Zahl Terrakotten auf ( Badre 1980), die nackte, ihre Brüste haltende oder präsentierende Frauen darstellen. Die flachen Pfeilerfigürchen dieses Typs haben breite, spitzwinklige Schultern. Das Gesicht mit kaffeebohnenförmigen Augen wirkt vogelähnlich, die Frisur ist kunstvoll zu Zöpfen geflochten. Betont ist der hohe, mit Colliers verzierte Hals, der weiblichen Stolz vermittelt. Die kleinen Brüste, die bei manchen dieser Terrakotten aufgesetzt sind, werden im typischen Gestus von den Händen bedeckt, umfasst oder gestützt. Die meisten Figürchen wurden in Privathäusern gefunden. Bei der dargestellten freundlichen und zugleich stolzen Herrin könnte es sich um eine beliebte Göttin handeln.
Badre 1980: Badre L., 1980, Les figurines anthropomorphes en terre cuite à l’âge du Bronze en Syrie, Paris.
Schroer/Keel 2005: Schroer S./Keel O., 2005, Die Ikonographie Palästinas/Israels und der Alte Orient. Eine Religionsgeschichte in Bildern. Band 1. Vom ausgehenden Mesolithikum bis zur Frühbronzezeit, Fribourg.
Parallelen: Meyer/Pruss 1994: Abb. 10, 11, 12, no. 99, 109, 126: aus Halawa drei vollständige Figürchen; Liebowitz 1988: die meisten Figürchen des Typs stammen aus Selenkahije nördlich von Habuba Kabīra in Syrien; Länder der Bibel 1981: 237-240, nos. 184-192: Stücke von unbekannter Herkunft; Doumet Serhal 1995: 59-69: Stücke von unbekannter Herkunft; Spycket 2000: 100f, nos. 80-82: Stücke von unbekannter Herkunft; Keel/Schroer 2004: nos. 26-27: Stücke von unbekannter Herkunft; Moortgat 1962: 12, Abb. 7d, 21: vom Tall Chuera.
Doumet Serhal 1995: Doumet Serhal C., 1995, Terres Cuites Orientales. La Collection Klat, London.
Keel/Schroer 2004: Keel O./Schroer S., 2004, ²2006, ³2010, Eva - Mutter alles Lebendigen. Frauen- und Göttinnenidole aus dem Alten Orient, Freiburg Schweiz.
Liebowitz 1988: Liebowitz H., 1988, Terra-Cotta Figurines and Model Vehicles. The Oriental Institute Excavations at Selenkahiye, Syria (Bibliotheca Mesopotamica 22), Malibu.
Länder der Bibel 1981: Länder der Bibel, 1981, Archäologische Funde aus dem Vorderen Orient (Ausstellungskatalog), Mainz.
Meyer/Pruss 1994: Meyer J.W./Pruss A., 1994, Ausgrabungen in Halawa 2. Die Kleinfunde von Tell Halawa A (SVA 6), Saarbrücken.
Moortgat 1962: Moortgat A., 1962, Tell Chuēra in Nordost-Syrien. Vorläufiger Bericht über die dritte Grabungskampagne 1960 (Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Wissenschaftliche Abhandlungen, Bd. 24), Köln/Opladen.
Spycket 2000: Spycket A., 2000, The Human Form Divine. From the Collections of Elie Borowski, Jerusalem.
Bibliographie: Keel 2003a: 130, no. II:7; Keel/Schroer 2004: no. 25; Schroer/Keel 2005: 210f, Nr. 109.
Keel 2003a: Keel O., 2003a, Weibliche Idole aus Vorderasien vom Neolithikum bis in die Perserzeit, in: Hahn S./Roll C./Steiner P.B., Hg., Madonna. Das Bild der Muttergottes, Lindenberg, 88-92, 126-146.
Keel/Schroer 2004: Keel O./Schroer S., 2004, ²2006, ³2010, Eva - Mutter alles Lebendigen. Frauen- und Göttinnenidole aus dem Alten Orient, Freiburg Schweiz.
Schroer/Keel 2005: Schroer S./Keel O., 2005, Die Ikonographie Palästinas/Israels und der Alte Orient. Eine Religionsgeschichte in Bildern. Band 1. Vom ausgehenden Mesolithikum bis zur Frühbronzezeit, Fribourg.
DatensatzID: 33499
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