Objekt:
Skarabäus (
§ 36-131) (auf dem Rücken zwei Zweige), Steatit, 23,3 x 16,6 x 10,9 mm.
Darstellung:
Ein Löwe reißt von hinten einen Capriden, der im gestreckten Sprung zu fliehen
versucht, wobei er den Kopf zum Angreifer zurückwendet. Unter dem Capriden
ist eine Zickzacklinie eingeritzt, die manchmal Wasser, hier wohl eher ein Gebirge
andeutet. Zwei Uräen, die in die noch freien Flächen oberhalb des Jagdmotivs eingraviert sind, flankieren die Szene. Der Löwe, der einen Capriden reißt, kann nach
ägyptischer Tradition auf den die Feinde bezwingenden König zu deuten sein. Das
Motiv scheint aber ambivalent zu sein und ebenfalls in Verbindung mit der Göttin
zu stehen (
Schroer 2008: Nr.
424,
498), worauf bei diesem Stück zusätzlich die Zweige auf dem Rücken des Skarabäus hinweisen könnten (
Schroer 2008: Nr.
405). Wahrscheinlich hebt es dann ihre wild‑erotischen Aspekte hervor (
Keel 1995: § 540).
Keel 1995: Keel O., 1995, Corpus der Stempelsiegel-Amulette aus Palästina/Israel. Von den Anfängen bis zur Perserzeit. Einleitung (OBO.SA 10), Freiburg Schweiz/Göttingen.
Schroer 2008: Schroer S., 2008, Die Ikonographie Palästinas/Israels und der Alte Orient. Eine Religionsgeschichte in Bildern. Band 2: Die Mittelbronzezeit, Fribourg.
Parallelen:
Asselberghs 1961: Abb. 128, pl. 71: die ältesten ägyptischen Darstellungen von Löwen, die Capriden jagen, finden sich auf den prädynastischen Schieferpaletten;
Mellink/Filip 1974: Nr. 208-209: die ältesten ägyptischen Darstellungen von Löwen, die Capriden jagen, finden sich auf den prädynastischen Schieferpaletten;
Lamon/Shipton 1939: pl.
66:5: Ein Rollsiegel aus Megiddo zeigt einen sitzenden Löwen mit erhobener Pranke hinter einem liegenden Steinbock, der den Kopf zurückwendet;
Ägyptisches Museum Berlin: nos. 3083, 64/64, 746/73, 752/: Löwen, die Capriden reißen, sind auch auf mehreren Skarabäen;
Keel/Uehlinger 1992: 24, Anm. 12: neun Skarabäen aus offiziellen Grabungen in Palästina/Israel tragen dieses Motiv;
Bietak/Forstner-Müller 2006: 75, Abb. 13: vgl. die Fischschale vom Tell el-Dab˓a mit einem Leoparden, der das letzte Tier einer Herde von Capriden überfällt.
Asselberghs 1961: Asselberghs H., 1961, Chaos en Beheersing. Documenten uit Aeneolithisch Egypte, Leiden.
Bietak/Forstner-Müller 2006: Bietag M./Forstner-Müller I., Eine palatiale Anlage der frühen Hyksoszeit (Areal F/II): Vorläufige Ergebnisse der Grabungskampagne 2006 in Tell el-Dabʿa: Ägypten und Levante 16, 63-78.
Keel/Uehlinger 1992: Keel O./Uehlinger Ch., 1992, ²1993, ³1995, ⁴1998, ⁵2001 (erweiterte Auflage),
62010 (Reproduktion der 5. Auflage), Göttinnen, Götter und Gottessymbole. Neue Erkenntnisse zur Religionsgeschichte Kanaans und Israels aufgrund bislang unerschlossener ikonographischer Quellen (QD 134), Freiburg i.Br.
Lamon/Shipton 1939: Lamon R.S./Shipton G.M., 1939, Megiddo I. Seasons of 1925-1934, Strata I-V (OIP 42), Chicago.
Mellink/Filip 1974: Mellink M.J./Filip J., 1974, Frühe Stufen der Kunst (Propyläen Kunstgeschichte 13), Berlin.
Ägyptisches Museum Berlin: Ägyptisches Museum Berlin
Bibliographie:
Schroer 2008: 134f, no. 346.
Schroer 2008: Schroer S., 2008, Die Ikonographie Palästinas/Israels und der Alte Orient. Eine Religionsgeschichte in Bildern. Band 2: Die Mittelbronzezeit, Fribourg.
Permanenter Link:
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