Objekt:

 Skulptur, Ton, 14 x 7 x 16 cm.

Datierung:

 EZ IIB-EZ IIC (750-620).

Herkunft:

 Tell Bet Mirsim (?), Fundkontext unbekannt (angeblich vom Tell Bet Mirsim, ca. 20 km südwestlich von Hebron, aus einem Hort entsorgter Kultgegenstände [Jeremias 1993: Taf. I-V; vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 167-168]).

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 2000.11.

Darstellung:

 Das Objekt besteht aus einem Podium und zwei menschengestaltigen Figuren. Das Podium ruhte auf vier Beinen. Die beiden, die erhalten sind, verengen sich nach unten und stehen bogenförmig nach vorn. Auf dem Podium sind deutlich zwei menschliche Büsten erkennbar. Deren unterer Teil verschmilzt mit dem Podium, so dass nicht ganz eindeutig zu sagen ist, ob sie stehend oder sitzend gedacht sind; die größere Figur jedenfalls eher sitzend. Das suggeriert auch die auf der rechten Seite weitgehend abgebrochene, ovale Wand, an die beide Figuren anlehnten, und die am besten als Rückenlehne eines Throns verstanden wird. Die Figur links nimmt etwa zwei Drittel des Platzes auf dem Podium ein. Sie ist offensichtlich die Hauptfigur. Ihre Gesichtszüge sind – ähnlich wie bei Keel/Schroer 2004: Nr. 157 – dadurch bestimmt, dass man mit Hilfe von Daumen und Zeigefinger die Nase geformt hat und dabei gleichzeitig die Augen in Form zweier Vertiefungen entstanden sind. Im Gegensatz zu den Figuren von Keel/Schroer 2004: Nr. 157, 158 ist bei dieser Figur das Gesicht aber mit Ohren und einem Spitzbart versehen. Ohren und Nase sind auch bei der kleineren Figur links zu sehen. Hingegen fehlt der Bart. Es könnte sich um eine weibliche Gestalt handeln. Die «Brust», die man auf dem Foto bei Uehlinger 1999b zu erkennen meint, ist keine solche, sondern die Bruchstelle des rechten Arms der Nebenfigur. Beide Figuren haben ihre Arme nach vorn ausgestreckt und die Hände, soweit vorhanden, ruhen auf verschiedenen zusätzlichen Elementen der komplexen Komposition. Diese zusätzlichen Elemente sind so grob gearbeitet und so stark zerstört und zudem ohne besser ausgeführte Parallelen, dass eine halbwegs eindeutige Identifizierung nicht möglich ist. Die zusätzlichen Elemente sind in Blickrichtung der Figuren von links nach rechts: a) Reste eines Vierbeiners (Löwe, Sphinx, Kerub?), dessen gebogener Schwanz (?) auf der linken Schulter der Hauptfigur zu sehen ist; b) massives bogenförmiges Element (Armlehne?), von dem vorne rechts anscheinend ein großes Stück weggebrochen ist; auf diesem Element ruht die linke Hand der Hauptfigur; c) Hals und Kopf eines Tiers (?), auf dem wahrscheinlich die rechte Hand der Hauptfigur ruhte; d) zwischen den beiden ausgestreckten Armresten der Nebenfigur oben abgebrochener Stengel, der vielleicht eine Blüte trug; e) Reste eines Vierbeiners, dem Element a) vergleichbar, der die Komposition nach rechts abschloss. Die die Komposition seitlich begrenzenden Löwen oder Sphingen legen, wie schon Jeremias gesehen hat, die Idee eines Thrones nahe. Dennoch möchte Jeremias am Ursprung der Gesamtkomposition zyprische Kriegswagen-Terrakotten sehen. Die Nebenfigur wäre dann keine Paredros, sondern eher ein für seinen Herrn kämpfender Diener (vgl. 2 Könige 9,25). Der Wagen eines Götterpaares wurde kürzlich aus einem entfernt vergleichbaren, allerdings wesentlich fragmentarischeren Terrakottafund der Weststadt des 13. Jh. v. Chr. vom Tell Bazi am Oberlauf des syrischen Euphrats rekonstruiert (Keel/Schroer 2004: Fig. 160a).

Diskussion:

 Christoph Uehlinger vermutet (Uehlinger 1997c: 149-152), es könnte sich bei der Terrakotta von Keel/Schroer 2004: Nr. 160, die als Darstellung eines Paars zu verstehen sei, um eine solche JHWHs und seiner Aschera handeln. Von JHWH und seiner Aschera ist in einer der Terrakotta ungefähr zeitgenössischen, ca. 10 km nördlich von Tell Beit Mirsim, wo Keel/Schroer 2004: Nr. 160 herkommen soll, in Chirbet el-Qom gefundenen Grabinschrift die Rede (Keel/Uehlinger 2001: 269-272) und in zwei etwas älteren Inschriften aus Kuntillet ˓Adschrud, einer Karawanenstation im Grenzbereich zwischen Negev und Sinai, die um etwa 800 v. Chr. in Gebrauch war (Keel/Uehlinger 2001: 237-270; zu allen drei Inschriften vgl. Renz/Röllig 1995: 59-63, 202-211). Keel und Uehlinger sind in ihrem ursprünglich 1992 erschienenen Werk noch davon ausgegangen, dass im Ausdruck «JHWH und seine Aschera» Aschera aus philologischen Gründen keine personale Thronbeisitzerin sein könne, sondern ein Kultobjekt, wahrscheinlich in Gestalt eines stilisierten Baumes, sein müsse. Inzwischen haben Paolo Xella (1996) und andere gezeigt, dass es philologisch durchaus möglich ist, trotz des besitzanzeigenden Pronomens «seine» (Aschera) in dieser eine personale Partnerin zu sehen. Sie würde auf der vorliegenden Plastik – wie später in der Weisheit Salomos (9,4) die Weisheit – als «Thronbeisitzerin» (griechisch paredros) JHWHs dargestellt. Auf eine Partnerin JHWHs verweist schon die Überlieferung, dass in der Lade, dem ältesten Kultobjekt des JHWH-Glaubens zwei Steinplatten lagen (Deuteronomium 10,1-5; 1 Könige 8,9.21). Das Deuteronomium und die von ihm abhängigen Texte behaupten, auf den zwei Platten seien die Zehn Gebote geschrieben gewesen, aber die Forschung ist sich heute darin einig, dass diese viel jünger sind als die Zeit Davids, als die Lade mit den zwei Steinplatten nach Jerusalem kam. Nahe liegt, dass die zwei Steinplatten zwei Gottheiten repräsentierten, am wahrscheinlichsten JHWH und seine Aschera. Im einzigen archäologisch nachgewiesenen JHWH-Heiligtum, in dem von Arad, standen im Allerheiligsten von Stratum X in der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. möglicherweise zwei Steinplatten (Masseben) als Kultsymbol (Herzog 2002: 63). In einer historischen Notiz im 1. Buch der Könige (15,13) wird erzählt, dass König Asa um 900 v. Chr. seine Mutter als Königinmutter abgesetzt habe, weil sie der Aschera ein «Schockbild» (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 173) geweiht habe. Damit sie Aschera ein solches «Schockbild» weihen konnte, musste Aschera in Jerusalem, höchstwahrscheinlich im Tempel, in irgendeiner Form gegenwärtig gewesen sein. Gesagt hat (…): Sprich zu (…) und zu Jauasa und zu (…): Ich segne euch gegenüber JHWH von Samaria und seiner Aschera.» Kuntillet ˓Adschrud, Pithos 1 (um 800; nach Renz/Röllig 1995: 61). Mit allem, was er erbat von irgendjemandem, hat man ihn gnädig bedacht (…), und JHWH hat ihm gemäß seinem Wunsche gegeben durch JHWH von Teman und seine Aschera. Kuntillet ˓Adschrud, Pithos 2 (um 800; nach Renz/Röllig 1995: 62f). Urijahu, der Reiche, hat es schreiben lassen. Gesegnet war Urijahu vor JHWH. Und von seinen Feinden hat er ihn durch seine Aschera errettet. Durch Onijahu und durch seine Aschera. (…) und durch seine Aschera. Chirbet el-Kom, Grabinschrift (letztes Viertel des 8. Jh. v. Chr.; nach Renz/Röllig 1995: 207-211).

Parallelen:

Otto/Einwag 2004: 69: stark rekonstruiertes Gefährt mit Stieren und Gott und Göttin vom Tell Bazi in Nordsyrien; Jeremias 1993: 49f, Taf. 8a: zwei Männer hinter Wagenbrüstung.

Bibliographie:

Jeremias 1993: 41-59; Uehlinger 1997c: 149-152; Uehlinger 1999b: 51; Keel/Schroer 2004: 186f, Nr. 160; Keel 2008: 42, Nr. 33.

DatensatzID:

853

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