Objekt:

 Rollsiegel, Hämatit (§ 357-360), 21,5 x 12,4 mm.

Datierung:

 Kültepe Level II (1950-1836) oder Karum Kanis Level II (1950-1836).

Herkunft:

 Anatolien, aus dem Handel (Syrian style; Schroer 2008: Südwest-Anatolien/Nordsyrien).

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VR 1981.154.

Darstellung:

 A ruler [ergänzter Text von Schroer 2008: ... einen Verehrer ...] in a peaked cap stands pouring a libation into the cup of a seated deity. A small figure kneels directly before the deity holding a vessel. A suppliant goddess stands behind the ruler [ergänzter Text von Schroer 2008: ... eine Schutzgöttin mit segnend erhobenen Armen]. A deity in an ascending position over a bull and holding a mace in one hand and the bull’s leash in the other [ergänzter Text von Schroer 2008: Von seiner Kopfbedeckung fällt ein Band herunter] is behind the suppliant goddess. A small naked goddess [ergänzter Text von Schroer 2008: ... mit verschränkten Armen. Auch von ihrer Kopfbedeckung fällt ein Zopf oder Band.] is between them. A sun disc and crescent and a star are in the sky.

Diskussion:

 [Ergänzter Text von Keel/Schroer 2004: Nr. 65: Die Begegnung von Wettergott und Göttin ist eines der Hauptthemen anatolisch-altsyrischer Glyptik. Der Wettergott ist unter verschiedenen Namen bekannt, so als Hadad, Adad, Baal, Teschub, aber es ist klar, dass es sich um den Wettergott handelt. [Ergänzter Text von Schroer 2008: Während der Wettergott in Mesopotamien auf einem Löwendrachen oder im Wagen daherkommt, der von einem solchen Drachen gezogen wird (Schroer 2008: Nr. 256), ist er in Anatolien seit dem Beginn des 2. Jt.a mit dem Stier verbunden. Auf Siegeln bzw. Siegelabrollungen aus Karum Kanis wird der mesopotamische Typ des Hadad mit Blitzbündel noch immer auf dem Löwendrachen dargestellt, die lokalen Wettergötter erscheinen mit Becher oder Zweig und einem Stier.] Bei seiner Partnerin, der Göttin, ist die Identität weniger eindeutig, obgleich dieses Siegel und Keel/Schroer 2004: Nr. 66-69
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Nr. 66
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zeigen, dass es eine wichtige Göttin ist. Vielleicht ist es die Göttin, die in den Texten von Ugarit und in der Hebräischen Bibel Aschera heisst. Letztlich vertritt sie die Erde, die, vom Wettergott befruchtet, die Vegetation hervorbringt (Keel/Schroer 2004: Nr. 46, 73-80
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, 88-91
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, 105). Dabei spielt sie, wie ihr Sich-Entkleiden auf diesem Siegel und den Siegeln aus Keel/Schroer 2004: Nr. 66-70
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zeigen, eine aktive Rolle, die von den Kultteilnehmerinnen imitiert bzw. provoziert wird (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 95-97
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Nr. 96
Nr. 97
). Der Striptease, mit dem Hathor im «Streit zwischen Horus und Seth» den müden Schöpfergott wieder in Fahrt bringt (vgl. den Kommentar nach Keel/Schroer 2004: Nr. 35) dürfte ebenso von diesem altsyrischen Motiv beeinflusst sein, wie das erotisch gefärbte Scherzen der Weisheit vor dem Schöpfergott im biblischen Buch der Sprüche (8,30f). Eine patriarchale Exegese hat in ihrem Bemühen, die Frau zu infantilisieren, in Sprüche 8,30f das harmlose Spiel eines Säuglings sehen wollen. Die Erde als Herrin der Vegetation steht wohl noch hinter dem beim Propheten Hosea mit Israel identifizierten Land, dessen Partner nach Hosea nicht Baal, der Besitzer der Erde, sondern Jahwe ist (2,4-17; vgl. Keel 1998: 50-53). Noch in Gen 1,11 lässt Gott die Erde Pflanzen hervorbringen und erschafft diese – im Gegensatz etwa zu den Gestirnen – nicht selber. Nach einiger Zeit, da kam Hathor, Herrin der «Südlichen Sykomore», stellte sich vor ihren Vater, den Allherrn, hin und entblößte ihre Scham vor ihm. Da lachte der Große Gott über sie; er erhob sich daraufhin, setzte sich mit dem Großen Götterkollegium zusammen und sagte zu Horus wie zu Seth: «Sprecht für euch!» Streit zwischen Horus und Seth 4,1-3 (nach TUAT III, 938): Ich (die Weisheit) war bei ihm (JHWH), einem Meister, ich war nichts als Wonne Tag für Tag, lachend und scherzend vor ihm die ganze Zeit, lachend und scherzend auf dem Festland seiner Erde. Sprüche 8,30-31].

Parallelen:

Lewy 1937: Nr. 14; Winter 1983: Abb. 85: = Keel 1992: 186, Abb. 15; altbabylonische Rollsiegel stellen häufig den Wettergott mit Blitzbündel auf einem Stier neben seiner Partnerin dar; Winter 1983: Abb. 75: = Özgüç 1965: no. 11a; Winter 1983: Abb. 109: = Porade 1948: no. 510; altbabylonische Rollsiegel stellen häufig den Wettergott mit Blitzbündel auf einem Stier neben seiner Partnerin dar; Porada 1948: no. 510: = Winter 1987: Abb. 109; altbabylonische Rollsiegel stellen häufig den Wettergott mit Blitzbündel auf einem Stier neben seiner Partnerin dar; Keel 1992: 186, Abb. 15: = Winter 1987: Abb. 85; altbabylonische Rollsiegel stellen häufig den Wettergott mit Blitzbündel auf einem Stier neben seiner Partnerin dar; Özgüç 1965: no. 71: = Winter 1987: Abb. 268; Özgüç 1965: no. 11a: = Winter 1987: Abb. 75; Winter 1983: Nr. 273: ein syrisch‑hethitisches Rollsiegel zeigt die Regengöttin neben dem Wettergott, der einen Wagen mit Stiergespann lenkt; Özgüç/Özgüç 1953: nos. 690-693: for style; Porada 1980: Abb. 3: for style; Winter 1983: Abb. 268: Özgüç 1965: no. 71.

Bibliographie:

Teissier 1993: 604, no. 7; Keel-Leu/Teissier 2004: 266, Nr. 307; Keel/Schroer 2004: 110f, Nr. 65; Keel/Staubli 2006: 47, Nr. 27; Keel et al. 2007: 47, Nr. 27; Schroer 2008: 222f, Nr. 456.

DatensatzID:

603

Permanenter Link:

  https://bodo.unifr.ch/bodo/id/603